Selen und die Schilddrüse
Für die Forscherwelt war die Funktion der Schilddrüse und ihre Wirkung lange ein Rätsel. Obwohl sie so unscheinbar erscheint, erfüllt sie eine wichtige Funktion für deinen ganzen Körper. Aber welche Aufgaben hat sie genau? Und welche Wirkung haben Spurenelemente wie Jod und Selen auf die Schilddrüse?
Im Lateinischen als Glandula thyreoidea bezeichnet, ist der Name der Schilddrüse leicht zu entschlüsseln. „Glandula“ bedeutet Drüse, „thyreoidea“ bezieht sich auf die Position der Schilddrüse im Körper: Sie befindet sich unterhalb des Schildknorpels, einem der Kehlkopfknorpel im Hals.
Nur 20 – 30 Gramm, etwa so viel wie eine große Erdbeere, bringt die Schilddrüse auf die Waage. Ihre Form erinnert an einen Schmetterling: Sie besteht aus 2 Seitenlappen, die durch einen schmalen Mittellappen verbunden sind, und legt sich wie ein Hufeisen um die Luftröhre. Umhüllt ist die Drüse von einer Kapsel aus Bindegewebe, sodass sie beweglich ist und ihre Lage beim Schlucken flexibel ändern kann. Während Gewicht und Gestalt der Schilddrüse sich von Mensch zu Mensch nur wenig unterscheiden, kann die Größe des Organs hingegen sehr individuell sein.
Die Funktion deiner Schilddrüse ist einfach erklärt. Als eine der wichtigsten endokrinen Drüsen im menschlichen Körper produziert die Schilddrüse Hormone. Der Ort des Geschehens sind die Follikel, die einen Großteil des Drüsengewebes in den Schilddrüsenlappen ausmachen. Follikel sind bläschenartige Einheiten, die von einer dünnen Wand (Follikelepithelwand) umgeben sind und im Inneren einen Hohlraum haben. Hier findet die Bildung der Schilddrüsenhormone statt.
Pro Stunde fließen 6 Liter Blut durch deine Schilddrüse. Hochgerechnet auf 24 Stunden sind das 144 Liter, das entspricht einer vollen Badewanne! Der hohe Blutfluss ist besonders wichtig, da die sie ihre Hormone direkt in deine Blutgefäße abgibt. Aber die Schilddrüse glänzt nicht nur mit einer guten Durchblutung. Sie ist auch das Organ in deinem Körper mit dem höchsten Gehalt an selenhaltigen Enzymen und beherbergt etwa 75% deines Jodbestands. Eine gute Versorgung mit Selen und Jod ist also essenziell. Denn diese beiden Mikronährstoffe sind die bedeutendsten Spurenelemente für eine gesunde Funktion der Schilddrüse.
Wo die Hormone gebildet werden, weißt du bereits: In den bläschenartigen Follikeln, aus denen das Gewebe deiner Schilddrüse besteht. Aber wie funktioniert das genau? Dafür ist es gut zu wissen, wie die beiden Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und L-Thyroxin (T4) aufgebaut sind. Ihr Grundgerüst ist ähnlich, denn die Hormone basieren auf der Aminosäure Tyrosin und haben mehrere Atome des Spurenelements Jod in ihrer Struktur.
- T3 (Trijodthyronin) beinhaltet 3 Atome Jod und ist die kurzlebige, aber stoffwechselaktive Form des Hormons
- T4 (L-Thyroxin) hat 4 Jodatome, ist die langlebigere Vorstufe von T3 und gilt auch als Speicherform des Hormons
Der Hypothalamus im Gehirn ist die Schaltzentrale für die Bildung der Schilddrüsenhormone. Dieses Regelzentrum kontrolliert genauestens wieviel T3 und T4 im Blutkreislauf zirkulieren. Ist die Konzentration der Hormone im Blut zu gering, bekommt die Schilddrüse das Signal weitere Hormone zu produzieren. Dafür wird zuerst das Thyreotropin-Releasing-Hormon, kurz TRH, vom Hypothalamus ausgeschüttet. Dieses stimuliert dann die Hirnanhangsdrüse zur Abgabe eines weiteren Hormons, dem Thyreotropin, das auch Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH) genannt wird.
TSH steht dann im direkten Kontakt mit der Schilddrüse und hat eine Schlüsselrolle für ihre Funktion. TSH ist für die Hormonbildung in der Schilddrüse also unentbehrlich! Denn TSH…
Das TSH gibt den Startschuss. Ein Protein steht besonders im Fokus, wenn es um die einwandfreie Hormonbildung in der Schilddrüse geht. Die Rede ist vom Thyreoglobulin, das reich an Tyrosinresten ist und als Vorstufe der Schilddrüsenhormone dient. Aber Thyreoglobulin allein reicht nicht aus, denn für die Bildung der Schilddrüsenhormone wird auch das Spurenelement Jod benötigt. Einmal in den Follikeln der Schilddrüse angekommen, wird das Jod mittels Wasserstoffperoxid (H2O2) so umgewandelt, dass das Enzym Thyreoperoxidase (TPO) es an die Tyrosinreste des Thyreoglobulins knüpfen kann.
Wir erinnern uns: Tyrosin + Jod = T3 und T4
Am Thyreoglobulin sind nun die fertigen Schilddrüsenhormone T3 und T4 gebunden, die bis zu ihrem Einsatz im Inneren des Follikels warten. Bei Bedarf werden die Schilddrüsenhormone aus den Follikeln freigesetzt und gelangen in dein Blut. Über das Gefäßsystem erreichen T3 und T4 dann alle Zellen deines Körpers und können dort ihre Wirkung entfalten.
Die Schilddrüse ist zwar klein, hat aber eine große Wirkung auf deinen ganzen Körper. Denn über die Schilddrüsenhormone beeinflusst sie verschiedenste Organe und viele unterschiedliche Funktionen deines Körpers.
Effekte auf das Herzkreislauf-System
- ↑ Herzfrequenz und Schlagvolumen
- ↑ Blutdruck
Einfluss auf den Stoffwechsel
- ↑ Gesamtstoffwechsel
- ↑ Grundumsatz
- ↑ Abbau des Fettgewebes und Beschleunigung des Cholesterinabbaus
- ↑ Sauerstoffverbrauch
- ↑ Wärmebildung
Neurologischer Benefit
- ↑ Reflexe
- ↑ Aufmerksamkeit
Wachstum und Entwicklung
- Wesentlich für die Anlage und Entwicklung der Organe
- Essenziell für die Entwicklung des Gehirns, Skeletts, der Muskulatur und des Nervensystems
Darüber hinaus können die Schilddrüsenhormone auch die Fruchtbarkeit und Reproduktion bei Mann und Frau beeinflussen und zu einer ausgelassenen Stimmung und seelischem Wohlbefinden beitragen. Eine unzureichende Funktion der Schilddrüse kann also auch die Psyche beeinträchtigen: Depressive Verstimmungen, Angstzustände, Schlafstörungen, Erschöpfung oder Apathie können die Folge sein.
Fazit: Bei fast allen wichtigen Funktionen im Körper hat die Schilddrüse ihre Hormone im Spiel. Damit die kleine Drüse ihre Aufgabe aber einwandfrei bewältigen kann, ist eine gute Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen essenziell.
Etwa 75% deines gesamten Jodbestands befinden sich in deiner Schilddrüse. Kein Wunder also, dass das Spurenelement für die kleine Drüse eine wichtige Rolle spielt. Sie benötigt Jod als Baustein für die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Da dein Körper Spurenelemente wie Jod nicht selbst herstellen kann, muss Jod über eine gesunde und ausgewogene Ernährung zugeführt werden. Denn ist deine Schilddrüse nicht ausreichend mit Jod versorgt, leidet die Synthese der Schilddrüsenhormone darunter – und das kann weitreichende Folgen für deinen Körper haben.
Jod und Tyrosin
- Unterstützt die Schilddrüsenfunktion
- Einzigartige Formulierung
- Ohne unnötige Zusatzstoffe
Das Spurenelement Selen und die Schilddrüse sind ein starkes Team. Denn die Schilddrüse enthält besonders viele selenabhängige Enzyme. Denn mehrere Arten an Selenoproteinen sorgen dafür, dass die Hormonbildung in der Schilddrüse problemlos verläuft:
Die selenabhängige Glutathionperoxidase (GPx): Damit Jod zur Bildung der Schilddrüsenhormone verwendet werden kann, wird eine reaktive Sauerstoffspezies, nämlich Wasserstoffperoxid, benötigt. An diesem Punkt greift die GPx ein: Sie baut überschüssiges Wasserstoffperoxid ab, das nicht für die Hormonbildung gebraucht wird. Für den Schutz der Schilddrüse ist die Arbeit der GPx unerlässlich, denn Wasserstoffperoxid kann oxidativen Stress sowie Zellschäden des Schilddrüsengewebes verursachen. Die Quintessenz: Damit die GPx ihre antioxidative Wirkung voll entfalten und die Schilddrüse in ihrer Funktion unterstützen kann, muss ausreichend Selen zur Verfügung stehen.
Selenhaltige Dejodasen spielen für die Funktion der Schilddrüse eine ganz besondere Rolle. Denn sie zwicken von der hormonellen Speicherform des Schilddrüsenhormons T4 ein Jodatom ab, so dass das physiologisch aktive Schilddrüsenhormon T3 frei wird.
Wird der Tagesbedarf an Selen über die Ernährung nicht gedeckt oder herrscht ein dauerhafter Selenmangel, kann die Performance der Schilddrüse stark beeinflusst sein. Für eine normale Schilddrüsenfunktion ist Selen also essenziell! Hochwertige Supplemente können eine wertvolle Unterstützung zu einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährungsweise leisten.
Was ist oxidativer Stress?
Wie du schon gehört hast, ist die Schilddrüse für die Bildung von Hormonen zuständig, die sehr viele Bereiche deines Körpers beeinflussen. Dazu gehören auch verschiedenste physiologische Prozesse deines Stoffwechsels. Die Schilddrüsenhormone steigern deinen Energieumsatz und damit deinen Grundumsatz, indem sie die Verwendung des Einfachzuckers Glukose und freier Fettsäuren zur Energiegewinnung erhöhen. Gleichzeitig steigern sie auch die Fettmobilisierung und stimulieren den Abbau von Speicherfett.
Wenn du das Gefühl hast, dass du trotz viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und einem gesunden Lebensstil kein Gramm abnimmst, obwohl das dein Wunsch ist, denke an deine Schilddrüse! Vielleicht ist der Stoffwechsel der kleinen Drüse bei dir durcheinandergeraten und kann nicht genügend Hormone produzieren.5 Dabei könnte ein Zusammenhang mit einem unzureichenden Selenstatus bestehen. Denn manche der Enzyme, die für eine normale Funktion der Schilddrüse zuständig sind, enthalten Selen und sind abhängig vom Vorhandensein des Spurenelements. Selen könnte also indirekt einen Einfluss auf dein Gewicht haben. Tatsächlich gibt es aktuell aber keinen wissenschaftlich fundierten Beweis, dass Selen dir beim Abnehmen helfen kann.
Andersherum könnte man jetzt denken, eine „zu gut“ arbeitende Schilddrüse könnte die Kilos purzeln lassen. Denn bei einer Schilddrüsenüberfunktion wird ein Zuviel der Hormone gebildet, die deinen Stoffwechsel ankurbeln. Klingt erstmal gut, einen Stoffwechsel zu haben, der Kalorien im Nu verbrennt. Doch der Überschuss an Schilddrüsenhormonen beeinflusst nicht nur deinen Energieumsatz, sondern zieht auch andere Bereiche deines Körpers stark in Mitleidenschaft. So kann dein Herz aus dem Rhythmus geraten oder dein Schlaf gestört sein. Für das allgemeine Wohlbefinden ist ein ausbalancierter Schilddrüsen-Haushalt also unabdingbar.
Eine gute Versorgung mit den essenziellen Spurenelementen Selen und Jod ist für die Schilddrüse entscheidend. Denn diese beiden Mikronährstoffe sind die bedeutendsten Spurenelemente für eine normale Schilddrüsenfunktion.
Ja, die Deckung des Tagesbedarfs an Selen ist für eine reibungslose Funktion der Schilddrüse unerlässlich. Wie bei vielen Mikronährstoffen sollte aber neben einem Zuwenig auch ein Zuviel des Spurenelements vermieden werden.
Die Freisetzung und Bildung der Schilddrüsenhormone werden durch 2 Hormone geregelt, die vom Gehirn ausgeschüttet werden. Ist die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut zu gering, wird zuerst das Thyreotropin-Releasing-Hormon abgegeben, das dann die Freisetzung von TSH (= Thyreoidea-stimulierendes Hormon) bewirkt. TSH gibt der Schilddrüse das Startsignal, um mit der Produktion von T3 und T4 zu starten.
Der Spiegel des Hormons TSH im Blut ist der wichtigste Laborwert, um die Schilddrüsenfunktion zu untersuchen. Zeigen sich bei diesem Blutwert Auffälligkeiten, kann das ein Hinweis für eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Beides – eine Über- wie auch eine Unterfunktion der Schilddrüse – kann die Reproduktionsfähigkeit negativ beeinflussen. Denn die Schilddrüsenhormone beeinflussen auch Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Sind sie aus dem Gleichgewicht, kann das auch den Sexualhormonhaushalt durcheinanderbringen. Bei ungewollter Kinderlosigkeit kann sich also ein genauer Blick auf die Schilddrüse und ihre Hormone lohnen.
Einen Normbereich für den TSH-Wert im Blut festzulegen ist schwierig, denn was „normal“ ist und was nicht, kann von Alter, Geschlecht und Lebensbedingungen der Person abhängen. Prinzipiell gilt aber: Ein hoher TSH-Wert deutet auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin, ein niedriger TSH-Wert auf eine Überfunktion des kleinen Organs. Der ungefähre Normalwert für TSH im Blutserum eines Erwachsenen liegt bei etwa 0,4 und 4,0 mU/L. Für eine tatsächliche Diagnose sind einzelne Blutwerte jedoch meist nicht aussagekräftig.
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Einzelnachweise
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission; Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel; Amtsblatt der Europäischen Union 2012
- Vaupel P., et al.; Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH 2015; Aufl 7
- Gebhard U.; Die Schilddrüse - ein unterschätztes Steuerorgan; Spektrum 2014;https://www.spektrum.de/news/die-schilddruese-ein-unterschaetztessteuerorgan/1299047; abgerufen 21.04.2022
- Hyrtl J.; Lehrbuch der Anatomie des Menschen; Braumüller Hofbuchhändler Wien; 1863
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz;https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/schilddruesenerkrankungen/inhalt; abgerufen am 21.04.2022
- Zimmermann M.; Physiologie und Pathophysiologie der Schilddrüse; Wiley-VCH Verlag GmbH & Co 2012
- Gröber U.; Mikronährstoffe - Metabolic Tuning- Prävention- Therapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2011; Aufl 3
- Gärtner R.; Wichtige Spurenelemente für die Schilddrüse; Prävention und Gesundheitsförderung 2007: 2:185-190
- Schünke, M., et al.; Sprache, Stimme, Gehör: Anatomische Grundlagen; Zeitschrift für Kommunikationsstörungen; Georg Thieme Verlag KG 2014; Aufl 2
- Zieren H. U.; Deutsches Schilddrüsenzentrum GmbH;https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de//; abgerufen 25.04.2022
- Köhrle J., et al.; Selenium, the Thyroid, and the Endocrine System; Endocrine Reviews 2005; 26(7):944–984
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz;https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/hormone-tumormarker/tsh; abgerufen am 25.04.2022
- Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz; Oxidativer Stress und Möglichkeiten seiner Messung aus umweltmedizinischer Sicht; Springer Medizin Verlag 2008; 51:1464–1482
- Gorini, F., et al.; Selenium: An Element of Life Essential for Thyroid Function; Molecules 2021; 26:7084.
- Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz;https://www.apotheken-umschau.de/diagnose/laborwerte/tsh-stimulanz-der-schilddruese-739497.html; abgerufen 28.04.2022